EN PASSANT

En Passant (2005)

Peter A.Schmid (Tubax, bass & contrabassclarinet)
Ned Rothenberg (bass & Bb clarinet, alto saxophone, shakuhachi)

 

 

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Liner Notes 

Durchreise

 

Einkehren eines Tages, in einem Studio, zwei Saxophonisten, die sich treffen. Der eine auf Durchreise, der andere reist mit. Der Small Talk ist beherzt und schon nach kürzester Zeit ein Gespräch. Die beiden lernen sich kennen, indem sie spielen. Parallel dazu erzählen sie von den Stationen, die sie zurück gelegt haben, die ihnen entgegen kommen. Der Fokus wird geschärft. Eine Shakuhachi setzt ein. Weite erfüllt den Raum, wo zuvor Tiefen sich wölbten.

Der New Yorker Ned Rothenberg (1956) und der Schweizer Peter A. Schmid (1959) sind Saxophonisten und (Bass-)Klarinettisten, die bei ihrem Interesse an Klangforschung das Spielen und Erfinden nicht vergessen. Das Herkömmliche wird beiläufig, das Ungewisse konzentriert. Die Durchreise erlaubt keine Fixpunkte des Verweilens. Der Moment ist kurz, die Eindrücke sind ungefiltert. Das Duo ist dennoch verankert. Vorschnell Aufgekratztes liegt nicht in der Luft. Schon eher schwingt das Lot einer vorsichtigen Annäherung, das die Vertikale sucht. Ein Weltenbaum aus tiefen Tönen. Manchmal zirpen Vögel auf den Ästen.

'En Passant' ist stark eine Platte des Klangs. Voluminös und Stockwerke tief. Bassklarinetten vibrieren. Kontrabassklarinette. Hohlräume der Welt, Klappengeklapper. Die Interaktionen entfalten sich in Umgarnungen und in autonomen Bewegungen, die synchron werden können, aber nicht müssen. Die beiden Musiker haben etwas miteinander zu tun. Duos, die zum erstenmal frei improvisieren, haben eine bestimmte Reinheit in sich, weil alles, was an Klängen und Interaktionen entsteht, den Grundpegel der Energien anzeigt, die zusammen kommen und reagieren.

Ned Rothenberg ist viel in der Welt unterwegs, Peter A. Schmid bewegt sich geografisch in einem engeren Radius. Dort der Durchreisende, hier der Reisende am Ort. Das stört nicht die Kommunikation, im Gegenteil. Die beiden haben ähnliche Sprachen und Techniken, auch ihre Haltungen sprechen miteinander. Sie packen einander nicht am Kragen, sie hören zu und lassen selber hören. Polyphone Spielweisen und Zirkuläratmung  sind selbstverständliche Handwerke, um in Austausch zu treten. Dabei suchen Rothenberg und Schmid nicht das Spektakuläre. Sie lassen reflektieren. Sie reisen durch.